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Wie auf meiner Startseite bereits beschrieben, ist bei mir (zumindest fast) nichts unmöglich. Als mich nämlich ein "Kollege" anrief und mir von seiner Armschiene erzählte mit der er wieder Motorrad fahren darf, schickte er mir dazu gleich Bilder.

Und dann ging's los, der lange Weg zu meinem Motorrad-Führerschein, auf den ich unverschuldet "freiwillig verzichten" musste sowie mich ein Jahr damit beschäftigen durfte bis alles passte! Aber was tut man nicht alles um sich seine Träume zu erfüllen! 

Mein erster Weg war der zur Gemeinde zum Führerschein beantragen. Weiter zum Optiker (Sehtest) und über meinen D-Arzt (Attest, dass sich seit dem Auto-Führerschein nichts verschlechtert hat + Rezept für die Armschiene) ins Sanitätshaus, wo meine Schiene gebaut wurde.

Als nächstes war ich dann im Landratsamt, wo ich meinen FS zurückforderte (Da erfuhr ich, dass es die "freiwillige Verzichtserklärung" seit Kurzem nicht mehr gibt!), bzw. dass ich wg. der Umbauten Einträge im KFZ- wie auch Führerschein vornehmen lassen muss.

Sonst steigt bei einem Unfall die Versicherung aus!!!

Weiter machte ich dann beim TÜV, wo festgelegt wurde, welche Bedingungen ich für meine "Fahrtauglichkeit" erfüllen muss. Da sich solche Verletzungen ja bei jedem anders auswirken, könne er nicht pauschal vorschreiben Was Wie umgebaut werden muss. Die wichtigsten Punkte wären dass ich:

1.       bei einer Vollbremsung die Maschine sicher zum Stillstand bringe und

2.       die Maschine alleine auch ein paar Meter schieben kann.

Um zu überprüfen, ob die Umbauten erfolgreich waren, muss man anschließend beim TÜV eine "Bedienprobe" (entspricht einer Fahrprüfung, die bei mir fast eine Stunde dauerte) vorführen. Auch die einzelnen Stationen (Stopp-and-Go, Slalom, Wenden, Kreisen, Vollbremsung, Ausweichen) werden getestet, weshalb man sich gut darauf vorbereiten sollte. Schließlich kann einem der Zweirad-Führerschein ganz entzogen werden, wenn Zweifel an der Fahrtauglichkeit auftreten! 

Jetzt musste ich mich erst einmal wieder auf die Suche nach einem geeigneten Motorrad machen, was gar nicht so leicht war, denn mit diesem Thema hatte ich eigentlich schon abgeschlossen. 

Meine Auswahlkriterien waren, dass sie zum Anfangen erst einmal nicht viel mehr wiegt als 200 kg, um die 50 PS haben sollte und - da ich auch nicht die Größte bin - nicht zu hoch sein darf. Allerdings wollte ich auch keine "Voll-Chopper", eher halb Chopper/halb Straßen-Maschine und schon gar nicht in schwarz,...

Naja, wenigstens ist sie nicht ganz schwarz, dunkelgrün ist auch dabei.

Und dann wollten sie mir ein Automatik-Getriebe "andrehen". Aber zum einen hat man da noch wenig Auswahl, diese Modelle waren gleich um ca. 50 kg schwerer, und außerdem hätte ich einen weiteren Eintrag im FS und dürfte nur noch welche mit diesem Antrieb fahren!

Und das ist daraus geworden! :


Glücklicherweise bekam ich meine Mozzi gleich bei der richtigen Werkstatt, nämlich bei IWAN-Bikes, die sind auf behindertengerechte Umbauten spezialisiert! Danach erfuhr ich erst, dass es inzwischen Motorräder mit ABS gibt (meine noch ohne)!
Und mittlerweile ha­ben auch schon manche gar keinen Benzinhahn mehr, wo man während der Fahrt - evtl. ge­rade beim Überholen - noch extra auf Reserve drehen muss!
Das macht meine zum Glück automatisch. Nur musste mein Benzinhahn nach links versetzt werden, weil ich sonst nicht mehr dran komme.

Außerdem haben einige der neueren Maschinen eine Integralbremse, bei der die Vordere und die Hintere gemeinsam ansprechen, wenn man auf die Fußbremse tritt. Und da meine Mozzi zum Glück für die Vorderbremse zwei Scheiben hat, konnte mit einer dieser Scheiben und der Hinterrad-Bremse zusammen so eine Integral-Bremse "ge­zaubert" werden.

Mein Starter ist übrigens - auch wie die Vorder-Bremshebel, das Not-Aus (funkti­oniert nun per Reißleine, die an der Jacke befestigt wird!) und der Gas-Drehgriff - auch nach links ge­wandert, weil ich beim Starten zusätzlich Gas geben muss. Damit ist das Gehirnjogging gleich inbegriffen, weil man ja erst lernen muss wann man welchen Hebel/Drehgriff/Knopf/Regler wie bedienen muss! Doch wenn's dann funktioniert macht's umso mehr Spaß, jippyyeah!!!



Ach ja:

Die Spiegel brauchten ein längeres Gestänge, weil ich sonst mit meiner Armschiene in die Gelenkpfanne nicht einrasten kann! Und die Verbindung mit dem Kugelgelenk brauche ich, weil sich die Schiene in den Kurven leicht mitbewegt und sich bei einem Sturz auch wieder lösen muss! (Sonst ist der Arm ab!)
Der Winkel des Ellbogens ist übrigens per Seilzug stufenlos verstellbar und die Gelenk­pfanne mit einer Madenschraube am Lenker fixiert. Man benötigt also nicht für jedes Motor­rad eine neue Schiene! Sobald diese Position passt, kann man den Griff des Seilzugs mit Isolierband an der Orthese fixieren, weil er sonst beim ständigen Be- und Entkleiden evtl. Abreißen könnte. Durch die etwas unförmige Schiene musste ich mir noch beim Ärmel einen schmalen Keil (aus Kunstleder, oder je nach Belieben) einsetzen lassen, sonst wäre er zu eng gewesen.

Schiene

Gelenkpfanne

Als dann meine Maschine fertig war, bzw. schon zwischendurch, konnte ich endlich mit der/den Fahrschule/n weiter machen. Da bei mir auch beide Beine demoliert waren und ich elf Jahre nicht mehr gefahren war, hatte ich lange damit zu kämpfen, erst ein Bein bzw. dann auch das zweite Bein auf den Fußrastern zu lassen, ach du Schreck!

Ich brauchte übrigens zwei Fahrschulen, weil der erste Fahrlehrer aus der Region meiner Werkstatt stammte und die Umbauten meiner Mozzi zwischendurch angepasst werden mussten. Als endlich alles passte und ich sicherer beim Fahren war, konnte ich meine Fahrstunden heimatnah fortsetzen, was mir sehr viel Zeit, Geld und Nerven ersparte. 

Vor der Bedienprobe entfernten wir vorsichtshalber den Hauptständer, weil manche Prüfer sehen wollen, wie man die Maschine auf diesem "aufbockt"! Da jener Hauptständer aber beim Auspuff- bzw. vor allem beim Reifenwechsel sehr hilfreich ist (bei meiner Mozzi hatte der Hubwagen keinen Platz wg. dem Verbindungsrohr zwischen den beidseitigen Auspuff-Rohren!), haben wir ihn wieder drangebaut.

Die Sozius-Fußraster wurden übrigens auch noch entfernt, weil ich nur noch solo fahren darf, zumindest wenn ich "einspurig" unterwegs bin.  Aber, da fragte ich gleich nach und lies es mir schriftlich bestätigen:                                              
Falls ich mir irgendwann eine Beiwagenmaschine zulegen würde, dürfte ich jemanden im Beiwagen mitnehmen!  

Als ich diese Prüfung endlich überstanden hatte, empfahl mir der "Mann vom Mond, äh natürlich vom TÜV", bei meiner nächsten Maschine darauf zu achten, dass diese dann mit einem ABS aus­gerüstet ist und dass ich beim Fahrsicherheits-Training mitmache. Das tat ich auch (zusammen mit meiner Schwester beim ADAC) und wir alle waren begeis­tert, dass sämtliche Übungen so gut klappten, inklusive Vollbremsung , bei der ich meine Maschine immer "abwürgte", aber egal, Hauptsache sie stand!

Das tolle an meinem "Führerschein-Wunder" (für mich ist es wahrlich noch immer eins!) war, dass ich bei allen Beteiligten (egal ob bei den Ämtern, Ärzten, dem Sanitätshaus, den Mechanikern, Fahrlehrern und sogar beim Prüfer) die erste war, die mit so einer Verletzung wieder Motorrad fährt. Aber sie kannten meinen Dickschädel ja (noch!) nicht!

Und das Beste ist:

Beim Fahren fühlt es sich an, als wäre überhaupt nichts passiert!

Da fällt mir noch was ein:
Damit mir solch ein schwerer Unfall nicht nochmal passiert, hab' ich mich mit einer "Airbag-Jacke" ausgerüstet. Ich hoffe trotzdem, sie kommt nie zum Einsatz. Aber zumindest fühl ich mich etwas sicherer damit.

Also, liebe Kollegen:

Gebt niemals auf und allseits gute Fahrt!     

zuletzt aktualisiert am 07.06.14

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